Wie die Landtagsabgeordneten Hanna Naber und Ulf Prange (beide SPD) aus dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) erfahren haben, fördern das MWK und die VolkswagenStiftung im Rahmen ihres gemeinsamen Programms zukunft.niedersachsen die medizinische Forschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg mit 688.391 Euro.
Forschende der Universität Oldenburg wollen anhand der Untersuchung von Genmutationen neue therapeutische Ansätze entwickeln, um die erbliche, fortschreitende Netzhauterkrankung (Retinitis Pigmentosa) zu verhindern. Diese führt zu Blindheit. Hierzu sollen Experimente an genetischen Produkten sowie moderne Bioinformatik zum Einsatz kommen.
„Die Landesförderung ist ein starkes Signal für den Wissenschaftsstandort Oldenburg. Hier wird hochmoderne medizinische Forschung betrieben die konkrete Hoffnung für Menschen mit schweren, bislang kaum behandelbaren Erkrankungen schafft, freut sich Prange“.
„Die Förderung zeigt, dass Niedersachsen gezielt in exzellente Forschung investiert – und dass Oldenburg dabei eine wichtige Rolle spielt. Davon profitiert nicht nur die Forschung, sondern langfristig auch Patientinnen und Patienten weit über unsere Region hinaus“, ergänzt Naber.
Die weiteren geförderten Projekte (Kurzbeschreibungen s.u.):
* Göttingen (UMG): CRISPR-RAS: Testing of CRISPR-based gene therapies for RASopathies -> Herzkranke Kinder (Fördersumme: 1.050.229,40 Euro)
* Göttingen (UMG): Lineage-directed modelling of thymomas using single cell resolution spatial transcriptomics -> Krebs der Thymusdrüse (Fördersumme: 665.296,28 Euro)
* Hannover, Braunschweig (MHH, TU BS, LUH): AI-assisted Long-read Genomics and Integrated OMICs for Healthcare Solutions (AI-Lights) -> Schwerkranke Kinder mit undiagnostizierten Erkrankungen (Fördersumme: 3.916.684,86 Euro)
* Hannover, Braunschweig (TWINCORE, MHH, HZI): PREcision Diagnostics to Combat Connective Tissue Diseases (PREDICT-CTD) -> Rheumatische Erkrankungen (Fördersumme: 2.747.193,90 Euro)
* Hannover, Braunschweig (MHH, HZI): Sialidase targeting pathoblocker therapy for primary sclerosing cholangitis -> Chronische Lebererkrankungen (Fördersumme: 2.000.000,00 Euro)
* Hannover (MHH, LUH): A novel therapeutic approach to treat craniosynostosis caused by IL11RA mutations -> Schädelmissbildungen (Fördersumme: 1.500.000,00 Euro)
* Hannover (MHH): Identifying liquid biomarkers for the prediction of clinical outcomes after lung transplantation using plasma proteomics -> Nachsorge von Lungentransplantationen (Fördersumme: 465.671,59 Euro)
* Hannover (MHH): Rare Diseases with Interstitial Nephritis; Unraveling Molecular Insights for Biomarker Discovery -> Seltene Nierenerkrankungen (Fördersumme: 552.970,00 Euro)
Kurzbeschreibungen der neun geförderten Projekte:
CRISPR-RAS: Forschende der Universitätsmedizin Göttingen wollen für Patientinnen und Patienten mit dem Noonan-Syndrom (eine genetische Entwicklungsstörung) und damit verbundener Herzschwäche mittels gentherapeutischer Ansätze und Zellkulturen klinisch-übertragbare neue Behandlungsmöglichkeiten entwickeln. Ausgehend von kardiovaskulären Fragestellungen sollen erfolgreiche Ansätze auch auf andere durch das Noonan-Syndrom ausgelöste Organmutationen in den Blick genommen werden.
Lineage-directed modelling of thymomas using single cell resolution spatial transcriptomics: Forschende der Universitätsmedizin Göttingen wollen onkologisch relevante Veränderungen der für ein funktionierendes Immunsystem wichtigen Thymusdrüse anhand moderner bioinformatischer Ansätze untersuchen, um schwere Autoimmunerkrankungen wirksamer vorzubeugen. Hierzu sollen erstmalig alle wichtigen Zellkomponenten des Thymus bzw. aller seiner Tumor-Untertypen vollständig untersucht und dargestellt werden. Ziel ist die subtyp-spezifische Entwicklung onkologischer Behandlungsansätze.
AI-Lights: Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover, der TU Braunschweig und der Leibniz Universität Hannover wollen mittels Bioinformatik und KI-Ansätzen DNA-RNA-Veränderungen und Umweltfaktoren identifizieren, die für eine bessere (Fast-Track-)Diagnose bei kritisch erkrankten Kindern mit undiagnostizierten und/oder seltenen Erkrankungen sorgen und ihre klinische Versorgung verbessern. Mit einem schnellen präzisionsmedizinischen Instrumentenkasten soll dabei insbesondere die Geschwindigkeit molekularer Diagnosen verbessert werden, um zeitkritische Fragen aus der individuellen Krankenversorgung adäquat beantworten zu können.
PREDICT-CTD: Forschende des TWINCORE, der Medizinischen Hochschule Hannover und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung wollen seltene rheumatische Erkrankungen des Bindegewebes mit dem Ziel untersuchen, durch präzisere diagnostische Instrumente therapeutische Entscheidungen in der klinischen Versorgungspraxis zu erleichtern. Mit einem Mix moderner bioinformatischer Ansätze sowie einer Patientenkohorte soll die Grundlage für ein zentrales Netzwerk für entzündliche Bindegewebe-Erkrankungen gelegt werden.
Sialidase targeting pathoblocker therapy for primary sclerosing cholangitis: Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung wollen anhand einer Mischung biomedizinischer Technologien einschließlich Bioinformatik erste therapeutische Ansätze (sog. Pathoblocker) zur Behandlung einer in der Gallenblase auftretenden potenziell chronisch-entzündlichen Lebererkrankung (Primary Sclerosing Cholangitis) entwickeln. Aktuelle Behandlungsoptionen beschränken sich auf die endoskopische Behebung von Verengungen oder die Antibiotikagabe im Falle einer Infektion.
A novel therapeutic approach to treat craniosynostosis caused by IL11RA mutations: Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover und der Leibniz Universität Hannover untersuchen anhand molekularer und bioinformatischer Analysen genetische Ursachen seltener Schädelmissbildungen bzw. vorzeitige Verknöcherungen der Schädelnähte (Craniosynostosis). So sollen durch die Entwicklung pharmakologischer Therapieansätze chirurgischen Eingriffen im frühen Kindesalter vorgebeugt bzw. deren Notwendigkeit verringert werden. Neben der physischen und emotionalen Belastung der betroffenen Kinder durch die chirurgischen Eingriffe sind auch neurologische Symptome durch unzureichenden Platz im sich entwickelnden Gehirn zu berücksichtigen.
Identifying liquid biomarkers for the prediction of clinical outcomes after lung transplantation using plasma proteomics: Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover wollen anhand ausgewählter seltener Lungenerkrankungen innovative Ansätze erforschen, wie der Erfolg von Lungentransplantationen besser abgeschätzt und die weiterhin dringend verbesserungswürdige Überlebensrate nach Transplantation erhöht werden kann.
Rare diseases with Institial Nephritis: Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover wollen Biomarker identifizieren, die durch eine schnellere und verlässlichere Typisierung verschiedener Formen der Nierenerkrankung Interstitielle Nephritis eine diagnostische Lücke schließen und dem Verlust der Nierenfunktion bei betroffenen Patientinnen und Patienten vorbeugen können. Dies soll mittels klinischer Patientenkohorten, eines umfangreichen Nierenbiopsie-Programms sowie molekularer bzw. bioinformatischer Methoden erfolgen.
Pioneering towards novel RPGR functions and innovative therapeutic approaches: Forschende der Universität Oldenburg wollen anhand der Untersuchung von Genmutationen neue therapeutische Ansätze entwickeln, um die erbliche, fortschreitende Netzhauterkrankung (Retinitis Pigmentosa) zu verhindern. Diese führt zu Blindheit. Hierzu sollen Experimente an genetischen Produkten sowie moderne Bioinformatik zum Einsatz kommen.
zukunft.niedersachsen
Der überwiegende Teil der Fördermittel von zukunft.niedersachsen resultiert aus dem Gegenwert der jährlichen Dividende auf nominal 30,2 Millionen VW-Treuhandaktien des Landes Niedersachsen, die dem Gewinnabführungsanspruch an die VolkswagenStiftung unterliegen. Satzungsgemäß sind die Fördermittel an wissenschaftliche Einrichtungen im Land Niedersachsen zu vergeben. Dazu legt die Landesregierung dem Kuratorium der Stiftung zumeist im Sommer und im Herbst Verwendungsvorschläge vor. Im Berichtsjahr 2024 standen für zukunft.niedersachsen wegen Sondererträgen insgesamt 618,7 Mio. Euro zur Verfügung.